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Wirkliche Gastgeber sind gefragt!

Schweizer Werte verkörpern den Gastgeber 2020 – Oder nicht?

Die Gastronomie musste die letzten 7 Wochen geschlossen bleiben. Bald ist es soweit und die Tore dürfen wieder geöffnet werden – wie in allen Branchen mit strengen Schutzmassnahmen. Bei den einen Gastronomen wurde aufgejubelt, bei den Anderen herrscht Skepsis. Die grosse Frage, ob die Gäste dann auch kommen, steht im Raum. Und wie kann der Wirt die Hygienekonzepte so umsetzen, dass sich die Gäste wohl fühlen? Eines ist klar: Vieles wird etwas anders als vor der Krise oder vielleicht auch einfach unumgänglich. Sicher ist: Die Gesellschaft wurde achtsamer.

Doch was bleibt? Der Gastgeber bleibt Gastgeber – und dies mehr als je zuvor. Obwohl sich die Gastronomie schon vor der Krise sehr mit Hygiene und den dazugehörigen Konzepten auseinandersetzte, ist sie jetzt gezwungen, diese noch genauer umzusetzen. Doch es gibt einen wichtigen Unterschied im Vergleich zu früher. Das Hygienekonzept wird die Gäste jetzt auch wirklich interessieren. Der Gastgeber muss zeigen, ja sogar beweisen, wie sehr er um die Gesundheit der Gäste besorgt ist. Und dies so, dass der Gast nicht das Gefühl hat, er hätte die nächsten Stunden eine Blinddarmoperation. Denn schliesslich möchte der Gast ein schönes Erlebnis und für einen Moment vielleicht sogar den «Corona-Alltag» etwas vergessen. Ein Stück Normalität wiederfinden. Mit früheren Gefühlen und Erlebnissen anknüpfen.

Jahrelang wurde aufgezeigt, man müsse Erlebnisgastronomie betreiben. Es müssen Emotionen geweckt werden. Das Herz der Gäste muss berührt werden. Und dies, liebe Gastronomen, muss es immer noch. Und zwar mehr als je zuvor!

Wie schafft der Gastgeber diesen Spagat? Wie kann er auf der einen Seite analog zu einem Hausarzt «Gesundheitsminister» sein und dann trotz allem den Gästen ein Erlebnis bieten und schöne Emotionen generieren, die nicht von der Angst um seine Gesundheit oder Existenz überschattet werden? Ich möchte in diesen Zeilen nicht die Schutzkonzepte erörtern. Viel mehr gehe ich auf das Thema ein, wie man trotz Schutzkonzept ein guter Gastgeber sein kann.


Nur ein paar Attribute, die einen Gastgeber ausmachen könnte:

Ein Gastgeber ist authentisch, ein Gastgeber ist ehrlich, einem Gastgeber steht das Wohl des Gastes an oberster Stelle. Einem Gastgeber ist dieses Wohl des Gastes wichtiger als das kurzfristig zu machende Geld. Er hat Menschen gerne, ist gebildet und ein Mensch, der die Fähigkeit hat, anderen Menschen eine schöne Zeit zu schenken. Ein Gastgeber berührt die Herzen seiner Gäste und er kann sich in die Rolle und die Gefühle seiner Gäste versetzen. Ein Gastgeber ist menschlich.

         "Bei einem Gastgeber geht es nur um das Eine – dass es dem Gast gut geht."

Kurz auf den Punkt gebracht, ein Gastgeber kann sich in seine Gäste hineinversetzen. Ein Gastgeber weiss, was seine Gäste mögen. Und das ist ES, was jetzt zählt. Die Gäste stehen zwischen einer hektischen, vielleicht manchmal auch ungebremsten Leistungs- und Effizienzgesellschaft und einer langsameren, eher «resilienzgeprägten» Welt, in der man lernen musste, Geduld zu haben, achtsamer zu sein und Ängste zu respektieren.

Die Gäste hatten oder haben wieder mehr Zeit, sich mit Inhalten zu beschäftigen. Einfach und plump formuliert: Unauthentische, rüpelhafte, profitfixierte und arrogante Gastgeber braucht die Gesellschaft nicht mehr. Denn in dieser Krise lernten die Menschen wieder etwas ganz Entscheidendes: Es geht auch ohne auswärts essen oder man kann sich das Essen auch nach Hause holen. Unfreundlichen und unherzlichen Umgang brauchen wir nicht mehr. Denn weniger ist mehr. Menschen, denen wir begegnen und wo wir das Risiko von «zu nahe» eingehen, möchten wir freundlich, offen und ehrlich begegnen. Dies wollen auch Gäste, die in ein Restaurant kommen. Sie möchten sich willkommen fühlen und das Gefühl erhalten, dass ihnen Gutes getan wird. Und noch wichtiger: Sie müssen mit solchen Gefühlen das Lokal auch wieder verlassen, denn sonst, liebe Gastronomen, bin ich mir sicher, bleibt der Besuch einmalig. Denn wer will sich schon einer Gefahr aussetzen, ohne sich danach besser zu fühlen?


Fabienne Ballmer

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