Fabienne 03

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Schritt um Schritt – eine etwas persönliche und nicht ganz perfekte Geschichte

Kennt Ihr das? Man scrollt durch Instagram, Facebook, LinkedIn oder schaut sonstige «Stati» an. Man liest Beiträge von Erfolgscoaches, die einem in kurzer Zeit den Durchbruch versprechen. Mütter, die wissen wie Glück geht, Ernährungscoaches, die schnelles Abnehmen propagieren, Achtsamkeitscoaches, die einem den Spirit nahe legen möchten usw. 

Wenn ich mich die obligaten 3 Minuten mit solchen Ratschlägen berieselt habe, denke ich dann oft: Wow – die können alle viel mehr als ich kann - Sie sprechen von Visionen, von mentaler Stärke und Gesundheit, von perfekten Körpern, perfekt organisiertem Familienleben, von grossen Karrieren. Manchmal ertappe ich mich und falle in Selbstmitleid. Insbesondere an Tagen, wo man als 3 -fache Mutter - ohne dass man ein ganzes Heer an Helferinnen und Helfer hat - seinen Tag als Mutter und Berufsfrau unter einen Hut bringen sollte und eigentlich gerade gar nichts so läuft wie es laufen sollte.

Und dann liest man all diese wunderbaren Sprüche, sieht die schönen Bilder, wird jedoch ins reale Leben zurückversetzt. Nämlich dann, wenn ich z.B in den Coop oder in ein Restaurant gehe, einer Dienstleistungsstelle anrufe oder in Organisationen sehe, wo wenig so läuft, wie es sollte. Die Menschen genervt sind, Leute schlecht gekleidet, zum Teil ungepflegt und vorallem einfach unfreundlich sind. Menschen, die kaum mehr etwas ertragen. Schon im Strassenverkehr am Morgen ist die Toleranz oft sehr dürftig. Mürrische Gesichter hinter dem Steuer. Da frag ich mich dann; wo wirken denn all diese vielen Ratschläge, Visionsarbeiten, Veränderungsprozesse usw?

Wir hetzen vom Optimieren unserer Persönlichkeit zum Perfektionieren unseres Lebensweges. Neben der Arbeit noch schnell unsere Persönlichkeit «aufpimpen», uns überlegen, wie wir unsere schlechte Stimmung verbessern können, wir streben nach einem dauerhaften «Happy Life« und wollen noch erfolgreicher, gesünder, noch trendiger sein. Auf diesem Weg vergessen wir uns im ganzen Stress und sind selber zu den Mitmenschen unfreundlich, besuchen jedoch ein Seminar für besseren Umgang mit Kunden.

Heute morgen habe ich selbst bei der Planung meiner Woche gedacht; wie schaffe ich das alles? Ich hätte ja auch immer wieder 1000 Ideen und Visionen was noch gemacht werden könnte. Beim Blick in Spiegel dachte ich mir, hoppla langsam braucht es echt Faltencréme um die Augen, sonst werden die Falten tiefer. Und als ich dann im gleichen Moment jedoch dachte, oh nein ich bin schon wieder zu spät, für Gesichtspflege reicht ja die Zeit jetzt auch nur knapp, kamen mir die Worte meiner Grossmutter in den Sinn. «Wenn die Menschen langsamere und kleinere Schritte gehen würden, kämen sie viel weiter und schneller voran» So setzte ich mich hin und nahm mir mit meiner hundsnormalen Niveacreme Zeit mich einzucremen.

Dabei machte ich mir über die Worte meiner Grossmutter Gedanken: Was meinte Sie damit? Im Chaos und unter Leistungsdruck haben wir oft das Gefühl noch schneller und besser sein zu müssen. Wir suchen überall nach Optimierung. Doch eigentlich ist es genau das Gegenteil was wir in solchen Momenten brauchen: Eigentlich müssen wir in Krisen oder wenn es schwierig ist die Schritte verkleinern, alles tun was wir tun müssen, doch langsamer. Vielleicht sollten wir ganz einfach alles wieder mit etwas weniger Glitzer versehen und uns dem Einfachen zuwenden und anstatt viel tun wollen – das was man tut einfach richtig tun.

Mit ganzem Herzen bei der Sache sein. Dies geht aber nur, wenn man die Aufgaben langsam angeht. Vielleicht sollten wir anstatt uns immer nur über weitere Visionen zu unterhalten zuerst mal innehalten und schauen was wir haben. Wir sollten annehmen, was wir haben und die kleinen alltäglichen Dinge verrichten.

An Tagen wo nichts mehr zu gehen scheint, wie wir es gewohnt sind, sollten wir anstatt uns zu fragen was wir Grosses verändern müssen, uns mal fragen; was wir eigentlich haben? Was könnten wir weglassen, oder wo können wir die Schritte verkleinern? Umso ruhiger wir werden in uns drin desto lauter hören wir was um uns geht und somit sind wir wacher für unsere Umwelt. Die Antworten, die wir vielleicht bei allen Optimierungsangeboten suchen, können wir uns selber geben. Mit langsamen Schritten können wir unsere Herzen öffnen und strahlen lassen. So müssen wir keine Angst haben überrannt zu werden, denn wer langsam geht, kann ausweichen, die Richtung ändern, sieht Gefahren besser und Visionen kommen ohne sie zu suchen.
Genau dies sollten wir doch in dieser Krise gelernt haben, wenn wir nicht mehr wissen wo wir sind, was weiter geht, können wir einfach langsam gehen, kürzertreten. Denn auch so geht es vorwärts, auch so kommt man an ein Ziel. Wenn wir etwas aus der Krise gelernt hätten, sollte es doch sein wieder in kleinen Schritten zu gehen, zurück zum Kern – und wenn es noch so langsam vorwärts geht, kleine Schritte gehen ist besser als sich im Kreis drehen oder gar stehen bleiben - denn auch kleine Schritte können wieder zu «Grossen» werden.

Fabienne Ballmer

ANSTOSSEN – UNTERSTÜTZEN – BEGLEITEN

www.emotioninwork.ch 

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